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Ratgeber Energieausweis

Energieausweis-Pflicht beim Verkauf und bei der Vermietung

Kurz gesagt: Wer ein Haus oder eine Wohnung verkauft oder vermietet, braucht einen gültigen Energieausweis. Er muss spätestens bei der Besichtigung vorliegen, und liegt er beim Inserieren schon vor, gehören seine Kennwerte ins Inserat. Ausgenommen sind nur kleine Gebäude bis 50 m² Nutzfläche und Baudenkmäler.

Die Antwort in 30 Sekunden

  • Pflicht beim Verkauf und bei der Vermietung von Häusern und Wohnungen.
  • Zeitpunkt: spätestens bei der Besichtigung vorlegen, nach dem Kaufvertrag übergeben.
  • Inserat: Liegt der Ausweis beim Inserieren vor, müssen Art des Ausweises, Energiekennwert, Energieträger, Baujahr und Effizienzklasse drinstehen.
  • Gültigkeit: zehn Jahre ab Ausstellung.
  • Ausnahmen: kleine Gebäude bis 50 m² Nutzfläche und Baudenkmäler.
  • Bußgeld: bis zu 10.000 Euro.

Rechtsgrundlage ist das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, früher Gebäudeenergiegesetz GEG), §§ 79 bis 88 und § 108, Stand der letzten Änderung vom 23. Juli 2026.

Wann ist der Energieausweis Pflicht? Alle Fälle im Überblick

Die Pflicht hängt nicht vom Gebäude allein ab, sondern vom Anlass. Diese Tabelle zeigt, wann Sie einen Energieausweis brauchen.

Energieausweis: Pflichtfälle und Ausnahmen
SituationEnergieausweis nötig?Grundlage (GModG)
Verkauf eines Hauses, einer Wohnung oder eines bebauten GrundstücksJa: spätestens bei der Besichtigung vorlegen, nach dem Kaufvertrag übergeben§ 80 Abs. 3 und 4
Vermietung, Verpachtung oder LeasingJa, mit denselben Vorlage- und Übergabepflichten§ 80 Abs. 3 und 5
Erbbaurecht an einem bebauten Grundstück bestellen oder übertragenJa§ 80 Abs. 3 und 4
NeubauJa: Energiebedarfsausweis nach Fertigstellung§ 80 Abs. 1
Sie bewohnen die Immobilie selbst, kein Verkauf, keine VermietungNein§ 80 Abs. 3 (Pflicht nur bei den genannten Anlässen)
Erbschaft oder Schenkung ohne VerkaufNein, erst beim späteren Verkauf oder bei Vermietung§ 80 Abs. 3
Kleines Gebäude mit höchstens 50 m² NutzflächeNein§ 79 Abs. 4, § 3 Nr. 17
BaudenkmalKeine Pflicht bei Verkauf und Vermietung§ 79 Abs. 4

Für Verkäufer heißt das: Spätestens mit der Verkaufsabsicht sollte der Ausweis vorliegen, denn er wird schon für das Inserat gebraucht.

Wann muss der Energieausweis vorliegen?

Der Verkäufer oder der Makler muss Interessenten den Energieausweis oder eine Kopie spätestens bei der Besichtigung vorlegen; ein gut sichtbarer Aushang während der Besichtigung genügt. Findet keine Besichtigung statt oder fragt ein Interessent nach, ist er unverzüglich vorzulegen. Nach Abschluss des Kaufvertrags erhält der Käufer den Ausweis oder eine Kopie unverzüglich (§ 80 Absatz 4).

Beim Verkauf eines Wohngebäudes mit höchstens zwei Wohnungen muss der Käufer nach der Übergabe ein informatorisches Beratungsgespräch zum Energieausweis führen, wenn ein solches Gespräch unentgeltlich angeboten wird (§ 80 Absatz 4 Satz 6).

Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis?

Der Verbrauchsausweis beruht auf dem tatsächlichen Energieverbrauch der vergangenen Jahre und spiegelt damit auch das Verhalten der Bewohner. Der Bedarfsausweis berechnet den Energiebedarf aus der Bausubstanz, also Dämmung, Fenster und Heiztechnik, unabhängig vom Nutzerverhalten.

Einen Bedarfsausweis brauchen Wohngebäude mit weniger als fünf Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde. Das gilt nicht, wenn das Haus schon bei Fertigstellung das Niveau der Wärmeschutzverordnung von 1977 erreichte oder später mindestens auf dieses Niveau modernisiert wurde (§ 80 Absatz 3). In allen anderen Fällen haben Sie die Wahl.

Was muss ins Inserat?

Liegt ein Energieausweis vor, müssen Immobilienanzeigen in kommerziellen Medien, also auch auf Immobilienportalen, diese Angaben enthalten (§ 87 Absatz 1):

  • die Art des Energieausweises (Bedarfs- oder Verbrauchsausweis),
  • den Wert des Endenergiebedarfs oder Endenergieverbrauchs,
  • die wesentlichen Energieträger der Heizung,
  • bei Wohngebäuden das Baujahr laut Energieausweis,
  • bei Wohngebäuden die Energieeffizienzklasse.

Energie­effizienzklassen A+ bis H

Die Klasse ergibt sich direkt aus dem Endenergieverbrauch oder -bedarf in Kilowattstunden je Quadratmeter Gebäudenutzfläche und Jahr (§ 86, Anlage 10):

Energieeffizienzklassen von Wohngebäuden
KlasseEndenergie in kWh/(m²·a)
A+bis 30
Abis 50
Bbis 75
Cbis 100
Dbis 130
Ebis 160
Fbis 200
Gbis 250
Hüber 250

Gültigkeit und Bußgeld

Ein Energieausweis gilt zehn Jahre ab Ausstellung (§ 79 Absatz 3). Wer ihn nicht, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig vorlegt oder übergibt oder die Pflichtangaben im Inserat weglässt, handelt ordnungswidrig. Das Bußgeld beträgt bis zu 10.000 Euro (§ 108 Absatz 1 Nummer 18, 19 und 21, Absatz 2 Nummer 2). Dasselbe gilt für die Ausstellung eines Ausweises ohne Berechtigung (Nummer 22).

Was der Energieausweis für Ihren Verkauf bedeutet

Ein guter Energiewert ist ein echtes Verkaufsargument, weil Käufer Energiekosten und mögliche Modernisierungen einkalkulieren. Bei schlechteren Werten hilft Transparenz: Wer den Zustand ehrlich darstellt und Modernisierungspotenziale aufzeigt, schafft Vertrauen und vermeidet spätere Diskussionen.

Legen Sie den Energieausweis deshalb schon zur Immobilienbewertung in Essen bereit. Welche Unterlagen Sie außerdem brauchen, zeigt Ihnen unser Unterlagen-Kompass in einer persönlichen Checkliste. Wenn Sie mit uns verkaufen, übernehmen wir auf Wunsch die Beschaffung der Unterlagen.

Häufige Fehler rund um den Energieausweis

Der häufigste Fehler: den Energieausweis erst kurz vor der ersten Besichtigung zu beantragen. Die Ausstellung braucht Zeit, ohne Ausweis fehlen im Inserat die Kennwerte, nach denen Interessenten filtern, und spätestens zur Besichtigung droht ein Bußgeld. Achten Sie außerdem auf den richtigen Ausweistyp (Baujahr vor November 1977) und korrekte Gebäudedaten. Ein fehlerhafter Ausweis beschädigt das Vertrauen der Käufer.

Dieser Ratgeber gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 26. September 2026.

Häufige Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Wann muss ich den Energieausweis vorlegen?

Spätestens bei der Besichtigung, als Original oder Kopie; ein gut sichtbarer Aushang während der Besichtigung genügt. Gibt es keine Besichtigung oder fragt ein Interessent danach, ist er unverzüglich vorzulegen. Nach Abschluss des Kaufvertrags erhält der Käufer den Ausweis oder eine Kopie unverzüglich (§ 80 Absatz 4 GModG).

Wie lange ist der Energieausweis gültig?

Zehn Jahre ab Ausstellung (§ 79 Absatz 3 GModG). Werden am Gebäude größere Änderungen mit einer Berechnung für das gesamte Gebäude ausgeführt, ist ein neuer Energiebedarfsausweis auszustellen (§ 80 Absatz 2).

Muss der Energiekennwert ins Inserat?

Ja, sobald ein Energieausweis vorliegt und in kommerziellen Medien inseriert wird: Art des Ausweises, Endenergiebedarf oder Endenergieverbrauch, wesentliche Energieträger der Heizung und bei Wohngebäuden Baujahr und Effizienzklasse (§ 87 Absatz 1 GModG).

Wie hoch ist das Bußgeld?

Bis zu 10.000 Euro, wenn der Energieausweis nicht, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig vorgelegt oder übergeben wird oder wenn die Pflichtangaben im Inserat fehlen (§ 108 Absatz 1 Nummer 18, 19 und 21, Absatz 2 Nummer 2 GModG).

Brauche ich als Wohnungseigentümer einen eigenen Energieausweis?

Der Energieausweis wird für das Gebäude ausgestellt, nicht für die einzelne Wohnung (§ 79 Absatz 2 GModG). Fragen Sie vor dem Verkauf bei Ihrer Hausverwaltung nach, ob für das Haus bereits ein gültiger Ausweis vorliegt.

Gibt es Ausnahmen von der Pflicht?

Ja. Für kleine Gebäude mit nicht mehr als 50 Quadratmetern Nutzfläche gelten die Vorschriften zum Energieausweis nicht. Für Baudenkmäler entfallen die Pflichten bei Verkauf und Vermietung (§ 79 Absatz 4, § 3 Nummer 17 GModG).

Brauche ich einen Energieausweis, wenn ich eine geerbte Immobilie verkaufe?

Ja. Die Erbschaft selbst löst keine Pflicht aus, der Verkauf schon: Spätestens zur ersten Besichtigung muss ein gültiger Ausweis vorliegen.

Was kostet ein Energieausweis?

Die Kosten hängen von Typ und Gebäude ab; ein Verbrauchsausweis ist in der Regel günstiger als ein Bedarfsausweis. Eine pauschale Angabe ist nicht seriös, entscheidend sind Objekt und Anbieter.

Wer stellt den Energieausweis aus?

Nur Personen mit Ausstellungsberechtigung nach § 88 GModG, zum Beispiel Architekten und Ingenieure mit passender Qualifikation, bestimmte Handwerksmeister aus Bau, Ausbau und Anlagentechnik, Schornsteinfeger oder staatlich geprüfte Techniker, jeweils mit den im Gesetz genannten Zusatzvoraussetzungen.

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